Werte und Ideale – Wo stehen wir heute?

von Berichtverwalter | Thema: Kritisch betrachtet | 1. März 2010

Die Maxime des Handels vieler Mitbürger heute scheint: “Ich glaube an nichts und ich versuche alles!” zu sein.

Bei der gegenwärtigen Gesellschaft in Deutschland wird nicht nur gelegentlich und auch nicht im Scherz von einer Spaßgesellschaft gesprochen. Was ist damit gemeint? Dass alles, was wir tun, Spaß machen sollte? Oder, dass nichts mehr ernst genommen werden sollte? Letzteres ist es wohl, denn in der Tat gibt es fast nichts mehr, was in der heutigen Gesellschaft Deutschlands noch ernst genommen bzw. respektiert wird.

Das, was dem deutschen Volk an Werten und Idealen in den vergangenen Jahrhunderten vermittelt worden war und ihm als sichere Basis für ein richtiges Verhalten in der Gesellschaft galt, hat heute seine Bedeutung verloren.

Wie in fast allen europäischen Staaten hat auch in Deutschland die gesellschaftliche Entwicklung in den letzten 65 Jahren zu Veränderungen in vielen Lebensbereichen geführt. Unter dem Einfluss des zunehmenden Dranges nach Wohlstand, vermeintlich großer sozialer Sicherheit und der rasanten Technologisierung ist im täglichen Leben der Menschen nur noch wenig so, wie es einmal war.

Während es in England, Frankreich, Spanien und anderen europäischen Staaten nichts Ungewöhnliches darstellt, wenn sich ein prominenter Mitbürger eines dieser Staaten mit Stolz zu seinem Land bekennt, erregt eine vergleichbare Äußerung eines Deutschen Kritik und Spott. Wer in Deutschland von überlieferten Werten und Idealen spricht, wird häufig schief angesehen.

Was also könnte dazu geführt haben, dass die alte Ordnung in Familie, Gesellschaft und Staat und deren Werte wie Heimat, Vaterland, Treue, Fleiß, Ehrlichkeit, Respekt, Bescheidenheit, Verantwortung, Rücksicht, Pflichtbewusstsein seit 1945 innerhalb von 65 Jahren ihre vorrangige moralische Gültigkeit in der deutschen Gesellschaft verloren hat? Was ist an ihre Stelle getreten? Sind es Eigenschaften wie “cool, smart, tough, in, geil oder hot” und viele andere Bezeichnungen mehr, die aus dem großen Reservoir der modernen Unterhaltungskultur, der TV-, Film-, Comic-, Musik- und Computer-Szene entlehnt sind? Ernst zunehmend wohl kaum! Denn diese Modebegriffe, die in erster Linie die Selbstdarstellung und indirekt auch den Konsum pflegen, verschwinden so schnell wie sie gekommen sind, während sich an den traditionellen Werten und Idealen über nahezu 200 Jahre im wesentlichen nichts geändert hatte.

Mit der Wiedereinführung der Demokratie und der Einrichtung einer “freien Marktwirtschaft” wurde ein Gesellschaftssystem geschaffen, welches zwar in Deutschland schon einmal Fuß zu fassen versucht hatte, aber letztendlich an sich selbst zum Scheitern verurteilt war. Den Erfolg des neuen Systems stellten die Deutschen jetzt aber nicht mehr in Frage, da sie sich ja diesmal auf die Anleitung und Kontrolle demokratie-erfahrener Aufsichtsmächte verlassen mussten.

Der Versuch aber, aus eigener Kraft und Verarbeitung die Wert- und Moralvorstellungen einer Prüfung zu unterziehen und Wertbeständiges zu retten und weiter zu vermitteln, scheiterte oder fand erst gar nicht statt.

In wichtigen Lebensfragen auf sich allein gestellt, treibt das Verhalten vieler Menschen seltsame Blüten. Verlustigt der tradionsbegründeten Lebensgewohnheiten sowie bewährter TV-, Film- und Werbewelt als der ideale “Way of Life” vorspielen. Zu den aus dieser Entwicklung resultierenden Verirrungen gehören das Ballermann-Syndrom ebenso wie die Single-Exzentrizität mit ihrem Schönheits- und Sexwahn und auch eine abseits jeglichen Bescheidenheitsgefühls demonstrierte Großkotzigkeit und Rausch- und Erlebnissucht.

Hinsichtlich alten und neuen Werten und Idealen ist die Situation in Deutschland indessen nicht ganz hoffnungslos. Zwar hat sich das Verhältnis der Bürger zu den traditionellen Werten und Idealen wie Heimat, Vaterland, Treue, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Rücksicht, Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl geändert und diese Werte haben ihre fundamentale Einflussnahme auf die Gesellschaft verloren; aber dennoch existieren sie mit verminderter Bedeutung fort und wirken sich eher stillschweigend auf das tägliche gesellschaftliche Leben der Bürger aus. Die Wenigsten lassen sich von ihnen hinreißen, aber nicht viele Mitmenschen wissen, dass es ohne sie nicht geht.

Die neuen Werte und Ideale, so wichtig sie auch heute für den Menschen erscheinen, können die alten nicht ersetzen. Sie vermögen den Menschen in Deutschland kein sicheres Gefühl für seine Herkunft, seine Heimat und dies mit den traditionellen Werten zu verbinden. Wer aber seinen historischen, kulturellen und sozialen Hintergrund und die Werte, auf die diese aufbauen, nicht mehr erkennt, hat auch kein Gefühl mehr für seine Bestimmung und vegetiert im Wohlstand dahin. Wir Deutschen sollten uns daher einmal an das erinnern, was einst der ansonsten wenig konservative deutsche Dramatiker Schiller in seinem Werk “Wilhelm Tell” sagen ließ: “Hier (in der Heimat) sind die starken Wurzeln seiner Kraft; dort in der fremden Welt stehst du allein, ein schwankend Rohr, dass jeder Sturm zerbricht!”