12. Jan. 2012

Im Nieselregen treffen sich Beamte des LKA Sachsen, der Sonderkommission Rex, Bereitschaftspolizisten der BFE und Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Es ist 4.35 Uhr, ihr Treffpunkt ist vor dem Restaurant Brazil in der Chemnitzer Innenstadt. Eine letzte Einsatzbesprechung unter freiem Himmel. Eineinhalb Stunden später klingelt es an sechs Haustüren in Chemnitz und der direkten Umgebung. In drei Wohnungen sind die Betroffenen der Hausdurchsuchungen schon auf Arbeit. Dort wird einer der Jugendlichen von den Einheiten des Apparates abgeholt. Vor der Belegschaft durchsuchen sie ihn und seinen PKW. Zur gleichen Zeit durchwühlen sie seine Räume im Haus der Eltern. Ein Zweiter wird von seinen Eltern angerufen und muss seinen Arbeitsplatz verlassen. Den Dritten erreichen sie nicht, also verschaffen sie sich gewaltsam mit einem herbeigerufenen Schlüsseldienst Zutritt.

Sie suchen weiße Masken, Transparente und Informationen jeder Art. Sie sollen an einerDemonstration der Unsterblichen am 30. September 2011 in Stolpen teilgenommen haben. Ausgestellt wurden alle Beschlüsse zur Durchsuchung am 9. Dezember vom Amtsgericht Dresden. Der Grund: Ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und das angebliche Mitführen von Waffen. Die anschließende Behandlung zur Feststellung der Identität wurde bei den Hausdurchsuchungen in Chemnitz am 11. Januar ausgestellt. Darin wurde richterlich veranlasst, dass die Betroffenen neben Fingerabdrücken und Fotos eine DNA-Probe oder ersatzweiße eine Blutprobe abgeben müssen. Sie werden befragt, was sie von den »Unsterblichen« wissen und wer da alles mitwirke. Sie alle schweigen und können gegen Mittag die Polizeiwachen wieder verlassen. Bei allen wurden die Computer und Handys sichergestellt. Dazu alle aufgefundenen Speichermedien und Ladegeräte der sichergestellten Handys. Auch nach T-Shirts, Aufklebern, Flugblättern und CDs hielten sie Ausschau. Mit in die Asservatenkammern wanderten auch ausgedruckte E-Mails, Briefumschläge, Eintrittskarten von Fußballspielen, Zaunfahnen von Fangruppen, Fackeln und Pyrotechnik – aber nicht eine einzige weiße Maske.

Die Unsterblichen machen ihnen Angst. Am 30. April 2011 fing alles an, seitdem umfängt ein Mythos die deutschen Städte, dem sie nichts entgegen zu setzen haben. Was sollen sie gegen die jungen Frauen und Männer sagen, die mit gleicher Miene im Fackelschein durch die Nacht ziehen? Was gegen Bautzen, Radeberg, Döbeln, Kohren-Sahlis, Hannover, Teterow, Potsdam, Waren, Rodewisch, Ludwigshafen am Rhein, Niederbayern, Hamm oder Stolpen? Sollen sie uns die Fahnen von den Wänden und Masten reißen, in unserem Herzen ziehen wir sie nur noch stolzer wieder auf!

Am 19. Februar 2011 demonstrierten in Dresden nach Eigenangaben 20 000 gegen drei Kundgebungen nationalistischer Menschen. Die hatte das sächsische OVG wenige Stunden im Vorfeld doch noch erlaubt, nachdem es die eigentlich angemeldeten Demonstrationen verboten hatte. Noch am selben Tag stürmten bewaffnete Spezialeinheiten zwei linke Projekte in Dresden. Seitdem haben Verfassungsschützer Wohnungen unter anderem in Dresden, Leipzig, Stuttgart, Berlin, Jena, Grimma, Niesky, Senftenberg, Machern und Finsterwalde durchsucht. Von den Maßnahmen waren insgesamt 25 Personen betroffen. Bei 20 000 Gegendemonstranten, mussten so nur etwas mehr als 0.1% erfahren, was es heißt, wenn man von den demokratischen Geheimdiensten verfolgt wird. In Stolpen schätzt man die Teilnehmerzahl auf 300. Bei 41 betroffenen Personen fand sich also fast jeder siebte der mutmaßlichen Teilnehmer heute auf den Polizeiwachen der Republik wieder. Was das für uns bedeutet? Wir sind erfolgreich und das Angsthaben, das können wir getrost ihnen und ihren 20 000 überlassen.

 

Quelle: http://mauerbluemchen.blockidentitaet.info

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