Ein traditionelles schlesisches Gericht
“Wer das Himmelreich nicht kennt, der hat umsonst gelebt” sagen die Schlesier. So ist das Himmelreich ein altes traditionelles schlesisches Gericht. Welche Beilage zum Himmelreich gereicht wird ist Geschmackssache. Aus diesem Grund präsentieren wir hier nur das Rezept für die Hauptspeise ohne Beilage. Wir empfehlen jedoch zu diesem traditionellen Gericht als Beilage Kartoffelklöße.
Zutaten:
500g gemischtes Backobst
1kg geräucherter Schweinebauch
1Prise Salz
3Stück Pimentkörner
6Stück Gewürznelken
1 Zitrone
30g Butter
30g Mehl
2EL Zucker
2l Wasser
Anleitung:
Die eine Hälfte des Wassers nehmen wir zum Einweichen des Backobsts. Das Backobst waschen und über Nacht in einer Schüssel einweichen. Bitte darauf achten dass alle Früchte mit Wasser bedeckt sind und gegebenenfalls mit einem Teller abdecken. Die Zitrone gut waschen, entsaften, dünn schälen und die Schale aufbewahren. Den geräucherten Schweinebauch im restlichen Wasser etwa eine Stunde garen. Er sollte dann halb gar sein. Das eingeweichte Backobst, Gewürznelken und Zitronenschale hinzufügen und zusammen ca. 30 weitere Minuten weich kochen. Alles auf einem Sieb abtropfen lassen und dabei die Brühe auffangen. Den Schweinebauch in Scheiben schneiden. Die Butter in eine Pfanne geben und erhitzen. Anschließend das Mehl hinzugeben und unter Rühren weiter braten bis die Mehlschwitze eine goldbraune Farbe bekommt. Dann mit ein wenig von der aufgefangenen Brühe ablöschen, mit Salz, Zucker und dem ausgepressten Zitronensaft abschmecken. Die Mehlschwitze nun mit dem in Scheiben geschnittenen Fleisch und Backobst vermengen. Fertig.
VOM RÜBEZAHL
Rübezahl, der Geist des Riesengebirges, hatte oft seine Freude daran, den Menschen allerlei Streiche zu spielen; dabei erwies er den Armen aber mancherlei Wohltaten und strafte die Hartherzigen und Geizigen.
Einmal wanderte ein armer Glashändler mit einer schweren Kiepe voll Glaswaren auf dem Rücken über das Gebirge. Da er recht müde geworden war, hätte er sich gerne etwas ausgeruht, aber nirgends war ein Felsvorsprung oder dergleichen zu sehen, worauf er seine Last hätte absetzen können. Rübezahl, der ihn eine Weile beobachtet und bald seine Gedanken erraten hatte, verwandelte sich schnell in einen Baumstamm, der nun am Wege lag. Erfreut ging der müde Wanderer darauf zu, setzte seine Last ab und sich auf den Stamm, um sich zu erholen. Kaum aber saß er da, so rollte der Stamm unter ihm weg, den Berg hinunter, und der Händler und die Scherben des Glases lagen am Boden. Traurig erhob sich der arme Mann, und als er seine zerbrochenen Schätze betrachtete, fing er bitterlich an zu weinen. Da kam Rübezahl, der wieder menschliche Gestalt angenommen hatte, auf ihn zu und fragte nach der Ursache seines Kummers. Treuherzig erzählte der Händler sein Unglück, und daß er bei seiner Armut nicht die Mittel zum Ankauf neuer Vorräte besitze. Rübezahl teilte dem Traurigen nun mit, wer er sei, und daß er ihm helfen wolle, wieder neue Glaswaren kaufen zu können.
Nun verwandelte sich Rübezahl vor den Augen des erstaunten Mannes in einen Esel und gebot ihm, ihn zur nächsten Mühle zu führen. Der Müller brauche gerade einen Esel und würde ihm gerne ein so schönes Tier, wie er sei, abkaufen. Dann solle er sich aber um nichts Weiteres kümmern, sondern sich mit dem Gelde schnell fortmachen. Der Mann führte nun den Esel zur nächsten Mühle, und nachdem der knauserige Müller noch einen Taler vom geforderten Kaufpreis abgehandelt hatte, wurde das Grautier sein Eigentum. Der Händler nahm das Geld — er hatte noch zwei Taler mehr bekommen, als seine Glaswaren gekostet hatten — und machte sich damit schnell aus dem Staube. Der Müller freute sich recht über den guten, billigen Kauf, führte das muntere Eselein in den Stall und gab dem Knechte den Auftrag, demselben Futter zu geben. Darauf ging er in seine Stube. Sogleich aber kam der Knecht, vor Furcht und Entsetzen zitternd, ihm schon nachgelaufen und sagte: »Herr, der neue Esel ist behext! Ich habe ihm Heu gegeben, aber da rief er: Ich fresse kein Heu! Ich will Braten und Kuchen haben!« Der Müller wollte die Geschichte nicht glauben und ging mit in den Stall. Dort stand das Eselein ganz ruhig und still. Der Müller nahm nun eine Hand voll Heu, hielt es dem Tier hin und streichelte dasselbe. Der Graue aber nahm das übel, schlug mit dem Vorderfuß nach dem Müller und rief wieder: »Ich will Braten und Kuchen! Ich will Braten und Kuchen!« Entsetzt wich der Müller zurück. Der Esel aber drehte sich um, gab ihm noch einen Tritt mit den Hinterbeinen, so daß er ins Heu kugelte, und sprang dann durch die offene Tür hinaus ins Freie, wo er bald verschwunden war. Nachdem der Knecht seinem Herrn wieder auf die Beine geholfen hatte, rieb dieser sich die schmerzenden Glieder und jammerte: »Hätte ich doch meine zwölf Taler wieder! Mein schönes Geld!« Dem Müller aber war recht geschehen; denn er war geizig und hartherzig und hatte noch am Tage vorher einen armen Bauern um zwölf Taler betrogen, und Rübezahl hatte den Geizigen bestraft.
Abend vor der Ernte
Lass dich an diesem späten Sommerabend
Den Hang hinauf und zu den reifen Feldern führen,
dass uns ihr altes Gold noch einmal leuchte,
der Erde Ruhm; Dank soll und Abschied ihm gebühren.
Lass uns den Duft des Kornes noch einmal spüren
und still die Ernte schwere Herrlichkeit besehn,
die vollen Ähren, die in keinem Hauch sich rühren -
denn morgen kann der Wind schon über die Stoppeln gehen.
Komm, tu mit mir noch einmal, eh’s in Nebel schwand,
den letzten Gang durch herbstberührtes Abendland.
von Josef Mühlberger




