10. Mai. 2009

Die Sparrenburg ist auf dem namensgleichen Berg im Teutoburger Wald gelegen und ist eine Festungsanlage im nordrheinwestfälischen Bielefeld.
Ihre heutige Gestalt kann man auf das 16. und 19. Jahrhundert zurückführen und ist als die nördlichste Spornburg Deutschlands, das Wahrzeichen Bielefelds.

Die ersten Jahrhunderte

Durch den Grafen Ludwig von Ravensberg wurde die Burg 1250 erbaut. Ihr ursprünglicher Nutzen war die Sicherung des Bielefelder Passes, welcher ein Quertal im Teutoburger Wald ist und den Durchlass von Verkehrswegen ermöglichte, und dem Schutze der Stadt. Des Weiteren war sie der Herrschersitz der ravensberger Grafen. Aufgrund dessen, dass eine schützende Burg vorhanden sein musste, bevor man das Stadtrecht bekam, kann man annehmen, dass es ein Vorgängergebäude der Sparrenburg gegeben haben musste.

Die Funktion eines Herrschersitzes entfiel, als Bernhard Grad von Ravensberg 1346 kinderlos und somit das Haus Calvelage-Ravensberg verstarb. Durch eine Heirat erhielt Graf Gerhard der Erste von Jülich-Berg die Burg. Seit 1338 war Dieser mit der Nichte des vorherigen Besitzers verheiratet.

Umwandlung zur Festung

Unter dem durch die Herzöge Kleve beauftragten Baumeister Alessandro Pasqualini und dessen Sohn. wurde die Burg um 1550 zur Festung ausgebaut und sollte somit standhafter und sicherer gemacht werden. 1578 wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt, war die Sparrenburg die größte Burg Westfalens. Der „Scherpentiner“, eine niedrige Spitzbastion der Burg, sollte helfen, den Bielefelder Pass besser kontrollieren zu können. Dieser Begriff, der nur bei dieser Burg nachgewiesen werde kann, geht auf ein leichtes Artilleriegeschütz des 15. und 16. Jahrhunderts zurück.

Bewährungsproben

Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg starb 1609 ohne männlichen Nachfahren als der letzte Herzog aus dem Hause Jülich. Die Haupterben Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg und Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg vereinbarten eine Gemeinschaftsregierung, welche allerdings scheiterte. Dies führte zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit. Im Jahre 1612 schädigte ein Erdbeben die Burg. 1614 wurde der Vertrag von Xanten geschlossen, wodurch der Erbfolgestreit beendet wurde. Die Burg wurde von da an Brandenburg-Preußen zugerechnet, wodurch den holländischen Verbündeten das Besatzungsrecht eingeräumt wurde.

Als 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach, waren die Holländer gezwungen sich 1623 wegen der spanischen Übermacht zurückzuziehen, welche durch Graf Johann von Rietberg angeführt wurden. Der brandenburgische Oberst Gent scheiterte bei dem Versuch mit Hilfe ravensbergischer Bauern die Sparrenburg zurückzuerobern. Die Spanier wurden 1636 von Schweden und Hessen rund ein Jahr belagert. Am Ende fiel die Burg. 1642 bekamen die Franzosen die Sparrenburg überlassen.

1648 wurde durch den Westfälischen Frieden die Zugehörigkeit der Sparrenburg zu Brandenburg-Preußen bestätigt. Der Große Kurfürst hielt sich in der darauffolgenden Zeit vermehrt in der Burg auf, die im als Nebenresidenz gedient hat. Zwei seiner Kinder wurden dort geboren.

Den Belagerungen im Französisch-Niederländischen Krieg widerstand die Sparrenburg erfolgreich, 1673 gegen münstersche und 1679 gegen französische Truppen.

Verfall und romantische Erneuerung

Da Ende des 17. Jahrhunderts, die Sparrenburg ihrem Zweck als militärische Anlage nicht mehr befriedigend erfüllen konnte, wurde sie zum Teil als Gefängnis gebraucht, zum anderen war sie dem Verfall ausgesetzt. Man fand auch noch andere Verwendungszwecke für das Gebäude: Die noch heute vorhandenen 55er- Kaserne wurde aus dem Gestein der Außenmauern errichtet, da auf Befehl Friedrichs des Ersten 1770 die Außenmauern abgetragen wurden. Außerdem wurde ein Teil der Steine verkauft.

1842/48 wurde die Burg durch das „Comité zur Wiederherstellung des Thurmes auf dem Sparenberge“ wieder aufgebaut. 1879 erwarb die Stadt Bielefeld die komplette Anlage für 8934,90 Mark, obwohl der Wert auf 70000 Mark geschätzt wurde. Der Architekt Hillebrand legte Pläne für die Errichtung eines Palasgebäudes um 1886 vor, welches 1888 im gotischen Stil mit Festsaal, Restaurant und Museumsräumen fertig gestellt wurde. 1900 wurde ein von Fritz Schaper erstelltes Denkmal für den Großen Kurfürsten im Beisein von Kaiser Wilhelm der Zweite aufgestellt.

Kriegszerstörung und Restaurierungen

Die Burg wurde im Zweiten Weltkrieg beim Luftangriff auf Bielefeld am 30. September 1944 schwer beschädigt, da sie als Flakstelle genutzt wurde. Während Restaurierungsarbeiten nach dem Krieg bis in das Jahr 1987 an der Burg vorgenommen wurden, beherbergte sie von 1955 bis 1982 ein Spielkartenmuseum.

In den vergangenen Jahren wurden in der Burg neue Funde freigelegt. So hat man zum Beispiel 2007 den Fußboden der Verteidigungsanlage freigelegt, 2008 hat man ein weiteres Gebäude nahe der Sparrenburg entdeckt und im selben Jahr hat man Lüftungsschächte nahe der Außenmauer gefunden. Einer dieser Schächte führt in einen bisher unbekannten Raum.

-Sparrenburg heute –

Den oberen Teil der Burg, kann man kostenfrei und ganzjährig besichtigen, wohingegen der Turm und die unterirdischen Gänge, genannt Kasematten nur im Frühling und Herbst besichtigt werden können. Da diese Gänge auch eine sehr beliebte Behausung für Fledermäuse darstellt, kann der nordwestliche Teil der Kasematten nur 3mal im Jahr während einer Führung angeschaut werden.

Des Weiteren findet alljährlich Ende Juli ein Fest auf der Burg statt, in dem das Leben im Mittelalter nachgespielt wird. Aufgrund von hohen Sanierungskosten, die etwa 7,5 Millionen Euro betragen, sucht die Bielefelder Bürgerstiftung nach Spenden.

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