Gedichte

Mit vielen Gedichten und Texten haben verschiedene Verfasser versucht ihre tiefe, innere Überzeugung zum Ausdruck zu bringen und zu verdeutlichen. An dieser Stelle möchten wir exemplarisch einen kleinen Einblick vermitteln.

Gang im Sturm

Der Sturm, der große Sturm ist los -
Mich hält’s nicht mehr zu Hause!
Mitschäumt die Gischt am Landungssteg,
Und springt zerstäubend drüber weg.
Die Arme heb’ ich ins Getos’ -
Kling mit, mein Blut, und brause!

Mit Müh’ erkämpf’ ich jeden Schritt -
Der Teufel peitscht die Dünen;
Wirft Sand und Schaum mir ins Gesicht -
Hei, wie das brennt! Hei, wie das sticht!
Und doch, kein’ Schmerz ich lieber litt,
Der Dumpfheit Fehl’ zu sühnen!

Verloren geht mein Jubelschrei,
Sturm wühlt in meinen Haaren …
Die Woge steigt, die Woge fällt -
Ahoi, du schöne, wilde Welt!
Nun bin ich wach, nun bin ich frei,
Wie nie seit langen Jahren!

Gehorsam ist kein würdeloses Fronen

Gehorsam ist kein würdeloses Fronen;
Gehorsam macht uns stark und stolz und frei.
Wenn wir erkannt, daß er notwendig sei,
Dann braucht kein lautes Lob uns mehr zu lohnen.

Das glaubensfrohe Wissen schon genügt,
Daß wir dem Volk, daß wir dem Ganzen dienen,
Und wie ein Rad im Triebwerk von Maschinen,
Unscheinbar, doch gewichtig eingefügt.

Es tut nicht not, daß andere auf uns sehen:
Die stumme Tat trägt in sich den Gewinn.
Wir ahnen unseres Lebens tiefsten Sinn,
Wenn wir in Treu auf unserm Posten stehen.

Drum sei Parole unserem Kampfgeschlecht,
Gleichlautend für das Alter wie die Jugend:
Gehorsam sei des Mannes höchste Tugend,
Und aller Freien königliches Recht!

Mit dem Schädel durch die Wand

Wenn andre mutlos weichen,
Und müd wie Laub verwehn,
Dann woll’n wir wie die Eichen
Im rauhen Sturme stehn.
Uns lockt nicht satte Stille;
Uns reizt der Widerstand,
Und Sturmbock sei der Wille:
Mit dem Schädel durch die Wand!

Wenn uns die Dornen stechen,
Wohlan, so ist es gut:
Die Rosen, die wir brechen,
Sind wert das rote Blut.
Nur wen kein Dunkel schreckte,
Stößt vor ins Sonnenland,
Das ringend er entdeckte -
Mit dem Schädel durch die Wand!

So bleiben wir verschworen
In treuer Bruderschaft,
Und keiner geht verloren,
Der traut der eignen Kraft.
Will einer müde werden,
Hält fest ihn unsre Hand -
E i n Ruf nur gilt auf Erden:
Mit dem Schädel durch die Wand!

Wir hoffen nicht auf Gaben,
Die mild vom Himmel schnei’n -
All’, was wir sind und haben,
Muß heiß erstritten sein.
Uns deutschen Sturmsoldaten
Bleibt Kampf des Sieges Pfand -
Sprung auf, zu neuen Taten!
Mit dem Schädel durch die Wand!

Zug der Wissenden

All, die erwacht vom großen Schlaf,
Die gleichen Geistes Mahnung traf,
Erkennen sich von fern;
Als sei ein Zeichen, nie genannt,
Auf ihren Stirnen eingebrannt,
Wie Licht von fremdem Stern.

Noch stöhnen viele unterm Joch
Und wandern irr und tasten noch,
Eh’ sie sich ganz befrein.
Doch mählich wird ihr Auge klar;
Sie treten zur erlösten Schar,
Und reihen stumm sich ein.

So wächst der Zug und schwillt und schwillt,
Voraus ein Führer, zielgewillt,
Die Seele tief bereit -
Die Fackel geht von Hand zu Hand,
Und offen strahlt in ihrem Brand
der Weg zur neuen Zeit!

Die Gläubigen

Die Zweifler sind es, die den Sieg gefährden:
Wer zweifelt, kämpft nur noch mit halber Kraft
Und wirkt, daß auch der andern Arm erschlafft,
Ein Zweifler macht, daß hundert müde werden!

Der Glaube ist’s allein, der Wunder schafft!
Der Glaube zwingt die Not mit Trutzgebärden.
Was Übergroßes je vollbracht auf Erden,
Geschah aus glüh’nder Glaubensleidenschaft!

Wer zaghaft zweifelt, der begeht Verrat
An jenen,die als Gläubige gefallen,
Und schändet ihres Opfers trächt’ge Saat.

Laßt uns des Glaubens Fahne fest umkrallen!
Das große “Ja” und “Dennoch” zeugt die Tat,
Die lichtwärts führt zu ewigen Ruhmes Hallen!

Auf dich kommt’s an!

Auf dich kommt’s an!
In deinen Händen liegt
Des Vaterlandes gut und bös Geschick!
Auf dich kommt’s an -
So schwer wie niemals wiegt
Dein Tun in diesem hohen Augenblick!

Auf dich kommt’s an,
Du Bauer hinterm Pfluge,
Du Arbeitsmann, der die Maschine lenkt!
Auf dich kommt’s an,
Der kühn im Geistesfluge,
Des Weltalls letzte Wunder überdenkt!

Auf dich kommt’s an -
Dein Opfer baut die Stufen
Aus Nacht und Eis empor zum ewigen Licht.
Auf dich kommt’s an -
Die treuen Toten rufen;
Horst Wessel sieht dich an: Tu’ deine Pflicht!

Der Kamerad

von Herybert Menzel

Wenn einer von uns müde wird,
der andre für ihn wacht.
Wenn einer von uns zweifeln will,
der andre gläubig lacht.

Wenn einer von uns fallen sollt,
der andre steht für zwei.
Denn jedem Kämpfer gibt ein Gott
den Kameraden bei.

Wir Soldaten

von Soldat Hellmut Gewecke

Kraft ist in uns, die im Kampfe sich bäumt,
Blut ist in uns, das verwegen schäumt.
Tot sind die Zeiten, in denen wir litten.
Fahl bebt die Welt unter eisernen Schritten.
Wir brachten die Kunde der neuen Idee,
wir tragen die Banner durch Kummer und Weh,
uns zog`s hinaus in die Stürme der Zeit,
wir dauern fort in die Ewigkeit.

Mahnung

von Will Vesper (1914)

Nun schweige ein jeder von seinem Leid
und noch so großer Not!
Sind wir nicht alle zum Opfer bereit
und zu dem Tod?

Eines steht groß in den Himmel gebrannt:
Alles darf untergehen!
Deutschland, unser Kinder- und Vaterland,
Deutschland muß bestehen!

Stell dich in Reih und Glied!

von Friedrich Rückert

Stell dich in Reih und Glied,
das Ganze zu verstärken,
mag auch wer`s Ganze sieht,
dich nicht darin bemerken.
Das Ganze wirkt,
und du bist drin mit deinen Werken.