8. Jun. 2009

Beginnen möchten wir mit einem Zitat aus den Annalen von Tacitus, der einst sagte:

„Er, ohne Zweifel der Befreier Germaniens, er, der nicht wie andere Könige und Heerführer vor ihm das Römische Volk in seinen schwachen Anfängen herausforderte, sondern zu einer Zeit, als das Reich in der Blüte seiner Macht stand, er, in Schlachten wechselnd glücklich, im Kriege nicht besiegt, 37 Jahre währte sein Leben, 12 Jahre seine Herrschaft, und das Heldenlied von ihm erschallt noch heute bei den Völkern der Germanen.“

Es handelt sich um Hermann den Cherusker!

Hermanns Schlacht im Teutoburger Wald war nicht nur das erste große Ereignis unserer Geschichte sondern mit ihr wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass Deutschland überhaupt als “Land der Deutschen” in der natürlichen Entwicklung eines freien Volkes entstehen konnte. Ohne diese Schlacht wäre das damalige Germanien, so wie einst Gallien, unter römische Herrschaft geraten, womit sich seine ganze weitere Entwicklung unter dem Einfluss fremder Herren vollzogen hätte. Es hätte sich nicht nur keine originäre deutsche Sprache herausbilden können, es wäre auch die naturverbundene, kraftvolle Kultur der Germanen verfremdet und später in den Sog römischer Dekadenz mit hinein gerissen worden, und Europa hätte jenes Volk verloren, das es dann durch zwei Jahrtausende gegen die von Süden und Osten heranstürmenden fremden Mächte schützte. So steht diese Schlacht auch am Beginn des nach dem Verfall der Antike neu sich formierenden Abendlandes, denn für dessen erneutes Aufblühen bedurfte es jener Kräfte, die erst mit der Befreiung von römischer Herrschaft den zu ihrer Entfaltung nötigen Raum gewannen. So war die Schlacht im Teutoburger Wald nicht nur eine Schlacht für Deutschland, sie war auch eine Schlacht für das neuzeitliche Europa. So möchte man hinzufügen, Europa hätte gut daran getan, sich dessen zu erinnern und es den Deutschen besser zu danken, als es in jüngster Zeit geschah. Denn in dieser Verkennung der Bedeutung Deutschlands, für die Erhaltung eines freien Europa liegt der eigentliche Grund für die heutige fatale Lage unseres Erdteils. Wer also Europa wieder aufrichten will, der muss sich auch um die Wiederaufrichtung Deutschlands bemühen.

Hermann und sein Kampf gegen Rom

Am Ende des letzten vorchristlichen Jahrhunderts schickt sich die Weltmacht Rom an, die östlich des Rheins und nördlich der Donau gelegenen Teile Germaniens unter seine Herrschaft zu zwingen. Der Stiefsohn des römischen Kaisers Augustus, der Feldherr Drusus, unternimmt in den Jahren 12 – 9 v. d. Zeitwende vier Feldzüge, um die Grenzen des römischen Reiches bis an die Elbe auszudehnen. Doch er muss umkehren, stirbt und Rom muss diese Absichten vorerst aufgeben. In den darauf folgenden Jahren gelingt es jedoch seinem Nachfolger Tiberius, bis an die Elbe vorzudringen, die westlich der Weser siedelnden Brukterer zu unterwerfen und die Cherusker als Freunde zu gewinnen, (jedenfalls ziehen letztere diese Art der Koexistenz mit den Römern der direkten Unterwerfung vor). Und im Zeichen dieser Freundschaft schickt der Cheruskerherzog Sigimer seine Söhne Hermann und Flavus nach Rom, wo sie hohe Offiziere im römischen Heer werden. Im Jahre 7 n.d. Zeitwende wird jedoch Tiberius abberufen und Varus, bis dahin römischer Statthalter in Syrien, nach Germanien entsandt. Mit ihm heben nun harte Zeiten für die Germanen an, denn er behandelt sie so, wie er das mit den Bewohnern Syriens getan hatte.

In demselben Jahr war auch Hermann, aus Rom in seine Heimat zu den Cheruskern zurückgekehrt. Nunmehr 25 Jahre alt, ein noch sehr junger Mann also, aber schon in diesem Alter beweist er außergewöhnliche Fähigkeiten. Denn in den 3 Jahren, die er in römischen Diensten verbrachte, hatte er sich gründlich umgesehen und Einblicke in das römische Heerwesen gewonnen, wie man sie bei einem Menschen seines Alters ansonsten nicht erwarten kann. Dabei wurde er jedoch kein “Römling”, sondern blieb seinem Volk treu verbunden. Diese Haltung treibt ihn nun zum Widerstand, lässt ihn aber auch erkennen, dass man mit den üblichen spontanen Aufständen keinen Erfolg erreicht, sondern dass dies nur in sorgfältig geplanten Aktion und im Zusammenwirken aller Stämme möglich ist. Und dass eine Kampfweise gefunden werden muss, die grundsätzlich anders aussieht, als sie bei den Germanen bisher üblich war. Das waren die Voraussetzungen, mit denen er in den Kampf mit Varus eintrat und wie auch gegen dem ihm folgenden römischen Feldherrn Germanicus, Sieger blieb. Zunächst ging Hermann bei Varus als Freund ein und aus. Gleichzeitig nahm er Verbindung zu den benachbarten Stämmen auf, um sie für den gemeinsamen Kampf gegen die Römer zu gewinnen. Und das war schwierig. Denn es gab unter ihnen selbst genug Streitigkeiten und vor allem sträubten sie sich gegen eine einheitliche Führung, die ihnen in ihrer bisherigen Eigenständigkeit als freie, sich selbst regierende Stämme Abbruch tun musste. Umso höher muss es eingeschätzt werden, dass es Hermann dennoch gelang, sie zum gemeinsamen Handeln zu bewegen.

Varus hatte zahlreiche Posten im Land eingerichtet, um Plätze zu sichern, Streitigkeiten zu unterbinden und wohl auch für die Einbringung von Tributen. Gegen diese richtete sich der erste Schlag. Im Herbst des Jahres 9 erhielt Varus die Kunde, dass bei einigen entfernten Stämmen kleinere Aufstände ausgebrochen waren. Vermutlich hatten die östlich der Weser siedelnden Maurusier zusammen mit den Cheruskern die, in deren Gebiet stationierten, Posten niedergemacht. So sah sich Varus gezwungen, aus seinem Sommerlager aufzubrechen, um die römische Macht wiederherzustellen.

Tacitus beschreibt dabei eigentlich nur den Weg und die Kämpfe des Germanicus, der später in mehreren Feldzügen in den Jahren 14 – 16 die römische Macht wiederherstellen und die Niederlage des Varus rächen sollte; dabei suchte er auch die einstigen Schlachtorte auf. Und mit deren Schilderung ist Tacitus nun der einzige, der überhaupt verwertbare Ortsangaben macht und dabei auch den Namen “Teutoburgis saltus” erwähnt; womit er zugleich zum Schöpfer des Namens “Teutoburger Wald” (der Wald an den Teutoburgen) wird; im Mittelalter hieß das Gebiet Osning. Erst nach Bekanntwerden der Berichte des Tacitus im Jahre 1505, bürgerte sich allmählich der heutige Name für dieses Gebiet ein. Den Kampfverlauf dagegen schildert nur Dio Cassius (unklar und propagandistisch gefärbt), der aber wiederum keine näheren Ortsangaben macht.

HermannsdenkmalEine zuverlässige Rekonstruktion ist daher schwierig. So gibt es eine ganze Anzahl von Vermutungen über den Ort der Schlacht, von denen am glaubwürdigsten jene sind, welche die Egge, einen Gebirgszug im südlichen Teutoburger Wald nennen. Dabei wird einmal ein Gebiet in der Nähe von Detmold angegeben (dort wurde auch eine Pilumspitze gefunden), dann weiter südlich die Dörenschlucht bei Horn und weiter südlich ein Übergang über die Kleine Egge, den K.G Arendt annimmt. Auch ist Kalkriese ein möglicher Ort des Hauptgefechtes wobei ein Rückzugsscharmützel dort wahrscheinlicher ist. Arendt nimmt nun im Gegensatz zu anderen übrigen an, dass Varus nicht von der Weser zum Rhein, sondern in entgegengesetzter Richtung, vom Sommerlager Aliso an der Lippequelle nach Osten zog.

Die Lippe selbst war der beste “Einmarschweg” vom Rhein in dieses germanische Kernland. Und die Lippequelle wiederum bildet ein Zentrum, in dem sich, strahlenförmig davon ausgehend, die Gebiete fünf germanischer Stämme treffen, für deren militärische Beherrschung also von höchster Bedeutung. Das waren gerade jene Stämme, die sich bei der Schlacht im Teutoburger Wald verbündet hatten: Brukterer, Amsivarier, Marser, Cherusker, Chatten (außerdem noch die Maurusier). Außerdem war die dort liegende Dedinger Heide ein uralter Versammlungsort, wie schon die Überlieferung ihres Namens aus “Thingheide” besagt. Ferner ist da noch eine überaus merkwürdige „Fürstenallee“ zu finden, ein 35 m breiter, Baum gesäumter schnurgerader Weg von 4 km Länge, der offenbar aus uralter Zeit herrührt, er führt zu einer heiligen Stätte, die von den in der Dedinger Heide zusammenströmenden Germanen aufgesucht worden sein dürfte. Am nördlichen Ende biegt er ab und führt dann weiter zu den Externsteinen, dem germanischen Hauptheiligtum. Das ganze Gebiet ist also außerordentlich geschichtsträchtig und war zweifellos ein geistig-religiöser Mittelpunkt der dort wohnenden Stämme.

Varus lag mit seinem Sommerlager an der Lippequelle und brach von dort auf, um an die Weser zu gelangen. Das deckt sich dann mit dem Zug des Germanicus, der den gleichen Weg nahm. Denn nach Tacitus zog auch Germanicus mit einem Heer von 8 Legionen vom Rhein nach Osten, angeblich um die Stätten der Schlacht aufzusuchen und die Gebeine der dort gefundenen Toten zu bestatten. (In Wahrheit dürfte er allerdings nach einem zuverlässigen Marschweg an die Weser gesucht haben.) Dabei folgte er dann mit großer Wahrscheinlichkeit den Spuren des Varus, wobei er sich auf die Ortskenntnisse der wenigen römischen Überlebenden der Schlacht stützte.

Die Schlacht

Als Varus die Kunde von den Aufständen “bei entfernten Stämmen” erhält, bricht er auf, um dort die römische Macht wiederherzustellen. Dabei führt ihn sein Weg durch das Gebiet der Cherusker, die er für einen befreundeten Stamm hält. Zwar wird er von dem auf Frieden mit den Römern bedachten Segest, dem Schwiegervater Hermanns, vor diesem gewarnt, doch er schlägt diese Warnung in den Wind. Hermann selbst reitet zunächst mit einigen Edlen im Heer des Varus mit, verabschiedet sich dann jedoch um, wie er angibt, seine Leute zur Unterstützung der Römer herbeizuholen. In Wirklichkeit ging es ihm nur darum, den Marschweg der Römer kennenzulernen, um so seine Truppen für den Kampf richtig positionieren zu können. Nach Arendt führt dieser Weg von der Lippequelle auf dem kürzesten Weg an die Emmer, einem Nebenfluss der Weser. Diesen Fluss hätte Varus ohne weiteres in einem Tagesmarsch erreichen können, doch nun gerieten seine Truppen in die Kämpfe mit den in den Wäldern lauernden Germanen.

Zunächst sind es nur kleine Trupps, die die Römer bei ihrem Marsch bergaufwärts stören, doch bald gewinnen die Kämpfe an Heftigkeit und zwingen die Römer zur Bildung einer Igelstellung. Die Germanen sind jedoch klar im Vorteil. Zwar weitaus schlechter bewaffnet als die Römer und auch in der Fechtkunst bei weitem nicht so geübt wie die, auch in Friedenszeiten täglich dafür gedrillten Legionäre, aber gerade ihre leichte Bewaffnung macht sie nun wendig. Die schwer gepanzerten Legionäre sind ja nur unangreifbar, solange sie feste Kampfverbände mit geschlossenen Schlachtreihen bilden können. Das versuchen sie jetzt zwar auch, doch die engen Täler und das waldreiche Gelände bieten da größte Schwierigkeiten. So können die Germanen immer wieder kleinere Trupps angreifen und sich sofort in die Wälder zurückzuziehen, sobald die Römer zum Gegenangriff übergehen. Dann brechen sie blitzartig an anderer Stelle hervor und schaffen damit größte Verwirrung. Außerdem können sie von der Höhe herab ihre Gere und Framen, mit größtem Erfolg herab schleudern. Zu allem Unglück für die Römer setzt nun auch ein heftiger Regen ein. Der Boden wird schlüpfrig und matschig, die Soldaten gleiten aus, ihre Schilde werden nass und schwer und die Bogensehen schlaff. Obendrein müssen sie ihrem schweren Tross einen Weg bahnen und dazu Bäume fällen und Holzbohlen legen. So suchen die Römer in aller Eile nach einem geeigneten Lagerplatz und finden dafür ein geradezu ideales Gelände auf einer großen Waldwiese. Diese ist von Hügeln umgeben, so dass kaum Schanzarbeiten nötig sind. Dort verbringen sie die Nacht. Sie verbrennen aber auch ihren Tross, um so nicht länger durch ihn behindert zu sein. Die Anstrengungen und Verluste des Tages haben sie dennoch erheblich mitgenommen und die Nacht ist nass und kalt.

Am nächsten Tag gilt es, die im Emmertal liegende ausgebaute Heerstraße zu gewinnen, um sich besser verteidigen zu können. Noch vor Tagesanbruch bricht die Vorhut aus dem Lager aus und erzwingt gegenüber den durch den frühen Angriff überraschten Germanen den Durchbruch. Die Vorhut gelangt erneut in die Wälder, aber dann öffnet sich eine größere Lichtung und die Römer kommen nicht weit. Am Talausgang haben die Germanen den hier fließenden Fischbach und auch die Emmer aufgestaut, so dass die Wiesen unter Wasser stehen. Zudem haben sie mit Sperren, aus gefällten Bäumen und Gebüsch, alle Talausgänge abgeriegelt. Die Römer sind in der Falle. Die Reiterei wird heran gerufen. Diese bei den Germanen gefürchtete Truppe ist in dem engen und unwegsamen Gelände sowie gegen die Sperren aber auch machtlos. Sie versucht, die Höhen zu erstürmen, doch die Rosse rutschen an den nassen und Wurzel überzogenen Hängen aus. So ist es den Germanen ein leichtes, den Reitern die Rosse unter den Beinen weg zuschießen. Die, durch gestürzte Pferde und Reiter, gebildeten Knäuel behindern die Nachdrängenden und auch die Legionäre. Im pausenlosen Kampf gegen die immer wieder von den Höhen her angreifenden Germanen steigt bei den Römern die Verwirrung, sie erleiden durch die herab geschleuderten Wurfgeschosse ständig wachsende Verluste und können weder vor noch zurück.

Der Führer der Reiterei, Vala Numonius erkennt, dass er hier nichts mehr retten kann und nimmt seine Trupp zurück. An einer Stelle, wo der Kampf nicht so heftig tobt und die Hänge nicht so steil sind, findet er eine Durchbruchsmöglichkeit und flüchtet mit den Resten der Reiterei. Vielleicht hofft er noch, Verstärkung aus dem Westen her holen zu können, doch dazu ist es schon zu spät.

Varus aber, als ihm diese Flucht berichtet wird, ist rasend vor Zorn, erkennt nun aber auch, dass ein Durchbruch nicht mehr möglich ist. So befiehlt er der Nachhutlegion noch ein zweites Notlager aufzubauen. Doch dafür reichen die Kräfte nicht mehr. Die Germanen haben inzwischen schon soweit die Oberhand gewonnen, dass sie ihre Zermürbungstaktik aufgeben und nun in hellen Haufen heranstürmen. In diesem Getümmel ist kein Lagerbau mehr möglich. Varus sieht, dass die Schlacht verloren ist, gerät in Verzweiflung und stößt sich selbst das Schwert in die Brust. Ein Teil seiner Offiziere folgt ihm in den Tod. Diese Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch die römischen Reihen so lassen die meisten die Waffen sinken, werden niedergemacht oder gefangen genommen. Zwei Tage dauerte die Schlacht und die Römer haben 3 Legionen sowie einige Kohorten verloren, an die 20.000 Mann. Kaum einem gelang die Flucht. Die Verluste der Germanen sind im Vergleich dazu gering, sie betragen an die 1.000 Mann. Später jedenfalls werden am Nordhang des Diem-Berges, am Zusammenfluss von Fischbach und Emmer, gegenüber dem Varusberg über 1.000 Brandhügelgräber gefunden. In ihnen hat man wahrscheinlich die Toten dieser Schlacht bestattet.

In Rom schlägt die Nachricht von der Vernichtung der Legionen des Varus ein wie eine Bombe. Die größte Niederlage seit Cannae, jener Katastrophenschlacht gegen Hannibal. Kaiser Augustus tobt und noch Monate danach schlägt er mit dem Kopf gegen die Türpfosten und ruft:

“Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder.”

Lediglich die von Varus in Aliso zurückgelassene kleine Truppe kann sich noch bis zum Rhein durchschlagen, nachdem es Hermann nicht gelang, das Lager zu stürmen.

Der Widerstand gegen Germanicus

Anfang des Jahres 13, wird Germanicus, ein Sohn jenes Drusus, der 14 Jahre vorher an der Elbe den Tod fand, römischer Feldherr am Rhein. Er plant nun, das Eroberungswerk zu vollenden und führt im Jahre 15 einen ersten Feldzug gegen die, seinerzeit am Aufstand beteiligten Chatten, deren Länder verwüstet werden. In einem zweiten Feldzug kommt er mit 4 Legionen über die Zuidersee und Nordsee an die Emsmündung und zieht Emsaufwärts zum Teutoburger Wald. Die andere Hälfte des Heeres, ebenfalls 4 Legionen, rückt unter Caecina die Lippe entlang nach Osten vor und vereinigt sich dort mit ihm an der Lippequelle. Bei diesem Zug wird das zwischen Ems und Lippe liegende Gebiet der Brukterer verwüstet. An der Lippequelle angelangt folgt er nun jenem Weg, den auch Varus seinerzeit 6 Jahre vor ihm genommen hatte. Und über diesen Zug schreibt dann Tacitus jenen Bericht mit den einzigen, wenigen, brauchbaren Ortsangaben über die Schlacht.

Die Brukterer die ihr eigenes Land durch Feuer verwüsteten, schlug Stertinius, der von Germanicus mit einer Kampftruppe abgesandt war, beim Morden und Plündern fand er den Adler der XIX. Legion, der mit Varus verloren gegangen war. Dann wurde das gesamte Heer bis in die äußersten Gebiete des Bruktererlandes geführt und das ganze Land zwischen Ems und Lippe verwüstet, nicht weit von dem Teutoburger Walde, in dem die Überreste von Varus und seinen Legionen unbestattet liegen sollten.

Daher hatte Germanicus den Wunsch, den Soldaten und dem Feldherrn die letzte Ehre zu erweisen. Auch sein ganzes Heer war wehmütig gestimmt, bei dem Gedanken an Verwandten und Freunde, an des Krieges Wechselfälle und der Menschen Schicksale. Caecina wurde vorausgeschickt, um das Dunkel der Waldgebirge zu erforschen sowie Brücken und Dämme in dem moorigen Gelände und dem glitschigen Boden anzulegen. Dann betraten sie die Stätten der Trauer, die dem Auge wie der Erinnerung gleich schrecklich waren. Das erste Lager des Varus erkannte man an dem weiten Umfang und der Abmessung seiner Hauptplätze, als das Werk von drei Legionen, weiterhin an dem halb zerfallenen Wall und einem flachen Graben, dass dort die zusammengeschmolzenen Reste sich gelagert hatten. Auf freiem Felde zwischen den beiden Lagern waren die bleichenden Gebeine der Gefallenen, zerstreut oder aufgehäuft, je nachdem sie geflüchtet waren oder Widerstand geleistet hatten. Soldaten, die das Blutbad überlebten oder der Gefangenschaft entkommen waren, berichteten:

“Hier sind die Generale gefallen, dort sind ihnen die Adler entrissen; hier hat Varus die erste Wunde erhalten; dort hat er durch seine unselige Rechte und das eigene Schwert den Tod gefunden; von jener Anhöhe herab entflammte Hermann seine Leute zum Kampf.”

Germanicus lässt nun die Gebeine der Gefallenen zu einem Hügel schlichten und mit Erde bedecken. Danach zieht er weiter. Da sich Hermann diesem Heer nicht stellen kann, zieht er sich nach Osten zurück und baut in der Nähe von Pyrmont, bei der Ortschaft Lüdge, einen Hinterhalt auf. Durch ein Täuschungsmanöver lockt er die Römer in ein Sumpfgelände und als sie da durcheinander geraten, lässt er aus einem nahen Wald die Hauptmasse seiner Truppen hervorbrechen. In der so ausbrechenden Panik entrinnen die Römer nur dank ihrer gewaltigen Truppenmacht und ihrer Disziplin einer neuen Katastrophe. Germanicus aber erkennt jetzt, dass er in Hermann einen äußerst gefährlichen Gegner vor sich hat, der mit allen Raffinessen der Feldherrnkunst zu arbeiten versteht. Er erinnert sich, des gerade erst besuchten Schlachtfeldes, sieht die Gebeine der Varus-Legionen vor sich liegen und fürchtet, irgendwo ein ähnliches Schicksal zu erleiden. So beschließt er den Rückzug. Wiederum teilt er dazu das Heer, wobei Caecina mit seiner Hälfte Lippe abwärts an den Rhein zurückkehrt. Hermann folgt ihm, überholt ihn auf Schleichwegen und stellt ihn, bei den “Langen Brücken” einem langen Knüppeldamm durch ein Moorgebiet, zur Schlacht. Auch hier wendet er wieder seine Zermürbungstaktik an, mit Kämpfen in Unwegsamen Gelände und staut auch Bäche auf, um das Kampfgelände zu überfluten. Die Römer müssen einen Teil des Trosses vernichten und sich in ein eilends gebautes Lager zurückziehen. Hermann will abwarten, bis sie es wieder verlassen, doch sein Onkel Inguiomer, ein Hitzkopf ohne die strategischen Fähigkeiten eines Hermanns, versucht es im Morgengrauen zu stürmen. Das misslingt, die Germanen müssen sich unter hohen Verlusten zurückziehen und Caecina entkommt schließlich.

Angesichts dieser Schlappen beschließt Germanicus nun das ganze Heer mit einer Flotte heranzuführen und lässt dazu 1.000 Schiffe bauen. Die enormen Verluste der Römer an Material und Pferden machen sich bemerkbar, und nicht zuletzt deshalb will er dem Heer diesmal die Anstrengungen und Ausfälle eines langen Marsches ersparen. Wieder rückt er in das gleiche Gebiet ein und versucht, ein von den Germanen belagertes Lippe-Kastell (vermutlich bei Haltern) zu entsetzen. Dabei erfährt er, dass die Germanen den, von ihm im vergangenen Jahr für die Gebeine der Varus-Legionäre angelegten, Grabhügel zerstört haben. Sie dulden keine Grabstätten der ihnen verhassten Römer auf ihrem Gebiet. Das ist der Grund, weshalb diese Gebeine die einzig sicheren Zeugen über den Ort der Schlacht, nie gefunden wurden. Nach einer schweren, unentschiedenen Schlacht, möglicherweise bei Eisbergen bei Rinteln, und einer späteren zweiten, am Angrivarierwall vermutlich bei Leese – Kreis Nienburg, dieser Wall trennt das Stammesgebiet der nördlich davon wohnenden Angrivarier von dem der südlich siedelnden Cherusker, zieht er sich an den Rhein zurück. Doch beim Rückzug widerfährt seiner großen Flotte ein tragisches Geschick, sie gerät in einen schweren Sturm und geht zu einem großen Teil mit allen Mannschaften unter. Nur ein kleiner Teil, darunter Germanicus, können der Katastrophe entrinnen.

In Rom ist inzwischen Tiberius an die Macht gelangt. Er erkennt, dass eine weitere Ausdehnung römischer Macht in germanisches Gebiet vorerst nicht mehr möglich ist und befiehlt dem Germanicus die Rückkehr. Dabei weiß er auch um die entscheidende Schwäche der Germanen und beschließt, sie dem größten ihrer Feinde zu überlassen, “der inneren Zwietracht”.

Hermann hatte einst die Tochter des Segest, Thusnelda, gegen den Willen ihres Vaters, der sie einem anderen versprochen hatte, entführt und geheiratet. Das war vermutlich einer der Gründe, weshalb Segest den Hermann verraten hatte. Jetzt wurde er von Anhängern Hermanns in seiner Burg belagert, wohin er verbannt worden war. Als nun Germanicus ins Land der Chatten eingefallen war, rief ihn Segest zu Hilfe. Germanicus entsetzte die Burg und befreite Segest. Dort hielt sich jedoch auch Hermanns Frau Thusnelda auf; sie fiel dadurch in die Hände der Römer und wurde später im Triumphzug nach Rom verschleppt. Um sein Leben zu retten, hatte also Segest die eigene Tochter mitsamt seinem späteren Enkel Thumelicus in die Sklaverei gebracht. Diese nahm ihr hartes Los dennoch tapfer hin.

“Bei ihrer Gefangennahme vergoss sie keine Träne, verlor kein Wort der Bitte, presste die Hände auf die Brust und blickte nur stumm auf ihren schwangeren Leib.” (Tacitus)

Das entfachte nun Hermanns Hass auf die Römer erst recht, was für den weiteren Verlauf der Dinge wichtig wurde. Die Germanen waren nämlich, angesichts der ständigen Kriege und der gewaltigen Übermacht der Römer, schon schwankend geworden und viele waren bereit, sich lieber zu unterwerfen, als weiterzukämpfen. Doch nun jagte Hermann durch die Lande und stachelte in flammenden Reden ihren Willen zum Widerstand aufs Neue an.

“Wenn euch das Land euer Väter, eure Ahnen und die alte Freiheit lieber sind als Zwingherren und neue Kolonien, so folgt nicht dem Segest, der euch zu Schande und Sklaverei führt, sondern Hermann, der euch zu Ruhm und Freiheit den Weg weist!”

Germanicus vertrieben, versuchte Hermann den Markomannenkönig Marbod zu einem Kampfbündnis gegen Rom zu gewinnen. Dessen Volk war von den Römern aus deren Heimat südlich der Donau nach Norden verdrängt worden, lebte aber seither in Frieden mit jenen. So schlug Marbod Hermanns Angebot aus. Möglicherweise strebte er selbst nach mehr Macht in Germanien und so kam es schließlich zu einer Allianz zwischen ihm und Hermanns Oheim Inguiomer. Dieser, auf Hermanns Ruhm eifersüchtig, hatte sich mit Marbod verbündet, in der Hoffnung, an Hermanns Stelle zum Führer der Cherusker zu werden. Es kam zur Schlacht, die für Marbod keine klare Niederlage war, ihn aber doch zum Rückzug veranlasste. Marbod flüchtet daraufhin zu den Römern, die ihm ein Quartier zuwiesen, wo er bis zu seinem Tod blieb.

Hermann selbst aber hatte sich mit der Beuteausrüstung der Varus-Legionen eine Elitetruppe geschaffen, und zog dadurch eifersüchtigen Hass auf sich. Es gelangt ihm daher nicht, alle Germanen zu einen und die Römer aus ganz Germanien zu vertreiben. Schließlich wurde er mit 37 Jahren von den Verwandten seiner Frau ermordet. Die Zeit war für eine Einigung noch nicht reif gewesen. Die im weiteren Umkreis um die Lippequelle siedelnden Stämme schlossen sich später zum Großverband der Sachsen zusammen, die Cherusker selbst, durch ständigen Parteienstreit zerrissen, gingen unter.

Hermann jedoch, muss als einer der ganz Großen in der Geschichte unseres Volkes gesehen werden. Ebenso kühn und tapfer wie von herausragender Intelligenz und mit scharfem Blick. Er hatte die Stärken der römischen Heere, ihre vorzügliche Bewaffnung, Disziplin und ihre Kampfkraft in geschlossenen Verbänden erkannt, wie andererseits auch die Schwächen der Germanen, die in ihrer schlechten Bewaffnung, ihrer geringen militärischen Ausbildung und vor allem ihrer, auf individualistischem Denken beruhenden, sehr schlechten Disziplin lag. Diese Einsichten hatten ihn befähigt, eine Sache sowohl von Seiten der Römer als auch von derjenigen der Germanen zu durchdenken, das machte ihn zum überlegenen Feldherren.

So vermied er es stets, die Römer in offener Feldschlacht anzugreifen oder ein großes Lager zu stürmen. Vielmehr verlegte er sich darauf, sie in schwierigem Gelände in verlustreiche Kämpfe zu verwickeln, sie dadurch zu schwächen und schließlich zu vernichten oder zumindest zum Rückzug zu zwingen. Das war das eine. Das zweite war seine Kunst als Politiker, mit der es ihm gelang, die ewige Zwietracht unter den Stämmen wenigstens soweit zu begrenzen, dass er sie zu gemeinsamen Handeln bewegte. Was angesichts der Selbstherrlichkeit ihrer Herzöge, die sich dabei seinem Befehl unterstellen mussten, zweifellos das schwierigste überhaupt war. Und das dritte war seine Treue zu seinem Volk, die ihm römische Ehren ausschlagen und stattdessen alles daransetzen ließ, dem eigenen Volk die Freiheit zu erkämpfen.

So war Hermann nicht nur ein echter Kämpfer für die Freiheit, sondern zugleich ein militärisches und politisches Genie. An ihm erweist sich, wie so oft in der Geschichte, was der tapfere Einsatz eines Einzelnen bewirken kann. Bitter für ihn, dass er seine letzten Ziele nicht erreichte, dass er seine Frau nicht wieder gewann, seinen Sohn nie sah und schließlich noch von den Angehörigen seines eigenen Volkes ermordet wurde. Ein hartes Schicksal für einen großen Mann. Seine wahre Bedeutung für sein Land und Volk hat kein anderer als der Römer Tacitus klar erkannt.

Spätere Generationen haben ihn in ihren Liedern besungen. Daher besteht wohl auch die Vermutung, zu Recht, dass er der Siegfried der Nibelungensage ist, der den “Lindwurm” – das römische Heer – vernichtete.
So errichtete der Franke Ernst von Bandel dem Helden das bekannte Hermannsdenkmal bei Detmold, er hat es verdient.

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